Obwohl ich sehr gerne und sehr viel lese, gibt es hier in meinem Blog kaum Beiträge über irgendwelche Bücher. Hab' irgendwie nie das Bedürfnis dazu. Aber da es auch gut zu meinem deutsch-türkisch geprägten Blog passt, möchte ich heute mal über Hatice Akyün und ihre Bücher schreiben.
Ich glaube, es war 2006, als ich meinen Bruder besuchte, der damals in der Nähe von Frankfurt wohnte.
Er sagte mir: "Ayse, meine deutsche Nachbarin hat mich gefragt, ob ich Lust hätte, sie zu einer Lesung von einer türkischen Autorin zu begleiten. Du stehst doch so auf Bücher und Lesungen, magst du nicht mit ihr dahingehen? "
"Klar" sagte ich, "gerne!"
Ich hatte die Nachbarin ja auch schon mal kennengelernt und deswegen war sie mir nicht ganz so fremd. Sie freute sich darüber, dass ich mitkommen wollte und wir gingen dorthin. Ich hatte zuvor noch nie von dieser Frau gehört und ließ mich einfach mal überraschen.
Und ich wurde sehr positiv überrascht. Eine sehr symphatische Deutschtürkin mit viel Charme und Humor, las aus ihrem ersten Buch vor, ein autobiographischer Roman.
Wir amüsierten uns köstlich. Ich kaufte es natürlich und ließ es gleich vor Ort signieren.
In dem Buch erzählt sie davon, dass sie als Single-Frau einen Mann sucht, und zwar einen deutschen Mann (modern, verständnisvoll, nicht so eifersüchtig und was türkische Frauen sonst so für Klischeevorstellungen von deutschen Männern haben), der aber die türkische "Schärfe" besitzt (=kein Weichei). Also einen "Hans mit scharfer Soße".
Sie selbst beschreibt sich so:
"Mein Name ist Hatice. Ich bin Türkin, aber auch Deutsche, Ausländerin, Muslime, Deutsch-Türkin, Journalistin oder ein Miststück, je nachdem, wer mich gerade betrachtet. Und ich empfinde es als Reichtum, diese Widersprüche in mir zu vereinen. Ich trage kein Kopftuch und ich bin nicht zwangsverheiratet. Ich bin zu deutsch, um eine Türkin zu sein, und zu türkisch, mich eine Deutsche zu nennen."
Ich habe mich so sehr mit ihr identifizieren können, zumal sie meine "hemserim" ist, also auch aus der gleichen türkischen Stadt kommt wie ich (Kütahya), fast zur gleichen Zeit -auch als Kleinkind- nach Deutschland gekommen , auch in NRW aufgewachsen ist und noch einiges mehr.
Jede Türkin die hier aufgewachsen ist, bzw. jede Migrantin, wird so vieles wiedererkennen in ihren Büchern.
Ihre Erzählweise ist so erfrischend und unterhaltend. Auch sie hat einen Vater (so wie ich) , über den es viel zu erzählen gibt, was in ihren Büchern auch nicht zu kurz kommt.
Einer meiner Favoritzitate aus dem Buch:
Hatices Vater grillt mal wieder. Hatice erinnert ihn daran, dass viel Fleisch doch ungesund sei.
Der Vater: "Wer sagt das, die Koalabären?"
Oder:
"Als ich Mitte 20 war, sagte mein Vater: 'Kizim, er muss gar kein Türke sein, Hauptsache er ist Moslem', und er blickte durch die trübe Windschutzscheibe seines Mercedes hinaus in den Regen.
[...]
'Kizim', sagte mein Vater zum Beispiel als ich 30 war und wir mal wieder in seinem neuen Mercedes saßen, 'es ist mir völlig egal, wen Du heiratest, es könnte sogar ein Deutscher sein, nur heirate endlich!' Das war vor fünf Jahren.
[...]
Übrigens fuhr ich vor einigen Tagen wieder einmal mit meinem Vater Auto. 'Du bist jetzt 35?', fragte er so beiläufig wie möglich, 'Ich möchte, dass Du eines weißt. Du kannst jederzeit wieder bei uns einziehen. Und ich habe auch mit Deiner Schwester gesprochen. Wenn wir nicht mehr da sind, wirst du bei ihr wohnen."
Aber sie hatte ihn gefunden, den "Ali zum Dessert" . Er war bei der Lesung mit dabei, passte auf ihr gemeinsames Kind auf. Die süße, kleine Merve Johanna lag damals noch in einer Babyschale.
Ein Hans mit scharfer Soße wurde es nämlich nicht, aber dafür ein "Ali zum Dessert", also ein Türke, der aber zuckersüß war. Genau von ihm, von dem Kennenlernen der beiden Familien (mit Geschichten zum Brüllen) , von der türkischen Hochzeit erzählt sie in eben diesem 2. Buch.
Als ich auch dies las, kam mir eine erneute Lesung direkt in meiner Nähe sehr gelegen. Ich besuchte auch diese Lesung und ließ mir auch dieses Buch signieren. Wir unterhielten uns kurz und ich war wieder sehr begeistert von ihr und ihrer ganzen, liebenswerten Art. Die Lesung war wieder sehr unterhaltend und lustig. Die meisten der Zuschauer waren auch diesmal - zu meinem Erstaunen- Deutsche (ohne Migrationshintergrund).
Das war vor einigen Jahren.
Nun hab ich letztens, als ich mal wieder im Bücherladen stöberte , mit Freude ihr neues Buch entdeckt...und es natürlich auch gleich mitgenommen.
Ich fand es sehr schade zu erfahren, dass sie sich mittlerweile von ihrem "Ali" getrennt hat und alleinerziehende Mutter ist.
Das steht im Klappentext von "Ich küss dich, Kismet" (anklicken und Buchtrailer ansehen)
"Von Männern hat Hatice Akyün erst mal die Nase voll – und irgendwie auch von Deutschland. Feierlich übergibt ihr der Vater den Schlüssel zu einer kleinen Wohnung in Istanbul. Ist das ein Zeichen?
Für Hatice Akyün ist Deutschland die Heimat. Doch plötzlich hadert sie mit ihrem Land. Sind die deutschen Politiker schuld? Oder ihre türkische Familie? Oder ist es wieder einmal Kismet? Nach einem öffentlichen Wutausbruch verlässt die ewige »Quotentürkin« Berlin Hals über Kopf und zieht nach Istanbul – auf der Suche nach ihrem anderen Ich.Die pulsierende Stadt am Bosporus mit ihrer alten Geschichte ist der Schauplatz für die Abenteuer, die Hatice Akyün nun zu bestehen hat, die Abenteuer einer Deutschen, die in die Heimat ihrer Eltern reist, damit sich ein familiärer Kreis schließen kann. Doch es ist kein Märchen aus 1001 Nacht, dafür hat diese Metropole einfach keine Zeit. »Hilfe, ich bin Deutsche, klärt mich hier auf!«, will sie am liebsten ausrufen, denn die ererbte Wohnung entpuppt sich als stark renovierungsbedürftig – wie auch ihr eigenes Äußeres, das meinen zumindest die eleganten Istanbuler Frauen, und überhaupt: Wie funktioniert das Leben in diesem umtriebigen Schmelztiegel, in dem Gelassenheit und Hektik zwei Seiten einer Medaille sind? Jede Autofahrt, jeder Einkauf wird zur Herausforderung; Hatice Akyün sehnt sich nach Sicherheit, nach Vollkornbrot und Käsekuchen. Und als sie dem charmanten Fischer Cenk begegnet, ist das Chaos perfekt: Ein Herz ist schließlich kein Fisch, sonst könnte man es angeln ..."
Obwohl dieses Buch -wie ich finde- bei weitem nicht an den Humor der anderen beiden Bücher rankommt, habe ich es wieder sehr gerne gelesen. Es war für mich sehr interessant und sehr unterhaltend.
Ich konnte erneut vieles nachvollziehen und so einiges nacherleben...ich durfte eine Reise durch meine Lieblingsstadt Istanbul und meine Heimatregion machen und so viele Orte dort nochmal durchleben, vieles "riechen", "hören" und (mit)fühlen...
Ich hoffe, dass ich auch diesmal an einer ihrer Lesungen teilnehmen kann und freue mich schon riesig auf den Film "Einmal Hans mit scharfer Soße". Das Buch wurde nämlich vor kurzem verfilmt, einen Trailer dazu gibt es leider noch nicht.
Liebe Hatice Akyün, sevgili Hatice Akyün...(falls Sie das hier doch irgendwann mal lesen sollten, ha ha...)
UPDATE: Sie HAT! Und hat sogar kommentiert, isch werd bekloppt! (siehe Kommentare)
Bircok duygularimin ve düsüncelerimin tercümani oldugunuz ve kitaplarinizla bana cok güzel vakitler gecirttiginiz icin tesekkürler.
Danke, dass Sie viele meiner Gefühle und Gedanken widerspiegeln und mir mit ihren Büchern so schöne Zeiten beschert haben.
Ich mag Sie sehr und bin stolz auf Sie.... und freue mich schon auf Ihr nächstes Buch!




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